Intelligente Stromzähler/Smartmeter

Ab 2020 sollen „intelligente“ Stromzähler, sogenannte Smartmeter in flächendecked installiert werden. Das sieht zumindest der aktuelle Gesetzesentwurf zur „Digitalisierung der Energiewende“ vor.

Davon abgesehen, dass der Entwurf haarsträubende Mängel hat und bestenfalls an das übliche Herumstümpern der Regierung bei nahezu allen Themen der Digitalisierung erinnert, habe ich nicht einmal was gegen Smartmeter zu Stromzählung. Die Idee dahinter ist nämlich grundsätzlich keine Schlechte.

2011 startete mein lokaler Energieversorger einen neuen Tarif mit Smartmeter, der Tag- und zeitabhängig unterschiedliche Strompreise bot und der aktuelle Verbrauch in 15 Minuten Intervallen an den Versorger übermittelt wurde. Die Daten konnten per Webseite oder mit einer iPhone App abgerufen werden. Gab einfache Grafiken, Vorhersagen, Historie des Stromverbrauchs, alles hübsch übersichtlich. Die Idee fand ich super, weil ich auch die jährlichen Ablesetermine mit den dann meist folgenden Nachzahlungen einfach gehasst habe.Also habe ich mich so schnell wie möglich dafür angemeldet.

Hat geklappt, Zähler wurde ausgetauscht, zum Glück ist er nur im Tiefpaterre eingebaut, denn sonst hätte die Datenübermittlung per angeschlossenem Mobiltelefon und SMS wohl nicht funktioniert. Und auch gut, dass ich in einem Haus mit nur drei Mietparteien wohne, wie so etwas in einem Hochhaus aussehen würde, mag ich mir nicht vorstellen.

So habe ich ab 2011 jeden Monat genau das bezahlt, was ich auch verbraucht habe. Keine Nachzahlung, keine Überzahlung, keine Überraschung am Jahresende. Ich habe gesehen, was passiert, wenn zuhause meine drei Server und die ganzen Terraienbeleuchtungen im Dauerbetrieb liefen. Ich hatte die Möglichkeit, Geräte mit hohem Stromverbrauch wie Waschmaschine/Trockner/Geschirrspüler in der güstigeren Nachttarifen laufen zu lassen. Ich habe nur mit diesen Infos schon meine Rechnung von einer Vorauszahlung von monatlich 120 €  auf unter 90 € reduzieren können. In Urlaubszeit entsprechend weniger.  Für mich hatte dieser Tarif tatsächlich nur Vorteile.

Schade nur, dass er zum Ende 2015 eingestellt wurde. Das Smartmeter bleibt zwar installiert, nutzt mir nur nichts, weil ich ohne einen gewissen Bastelaufwand nicht mehr an die Daten rankomme. Auch habe ich keine Zeiten mit günstigeren Strompreisen mehr. Und, Überraschung, ich habe wieder die verfluchten festen Vorauszahlungen. Gibt es eine Alternative für mich? Nein. Ich habe hier tatsächlich keinen Anbieter gefunden, der mir einen Tarif mit monatsgenauer Abrechung und Smartmeter anbieten will/kann.

Ich bin mir auch der Nachteile von echten Smartmetern durchaus bewusst. Die Datensammlung, die damit möglich ist. Das Missbrauchspotential davon. Obwohl das in den Zeiten, wo jeder seine Daten dank Payback und Co. sowieso ohne Bedenken den Firmen vor die Füsse wirft, vielleicht weniger eine Rolle spielt. Die Anfälligkeit, falls die Dinger tatsächlich remote gesteurt werden können. Ein Fehler bei der Implementantion und eine ganze Stadt ist schwarz. Die Freude, wenn Einbrecher an die Daten kommen und an den Profilen erkennen, wann bestimmt niemand zuhause ist. Auch wenn ich glaube, dass man all das in den Griff bekommen könnte. Der Umwelt und dem Geldbeutel täten echte Smartmeter mit vernünftigen Tarifen jedenfalls gut. Ich hätte gerne wieder eines.

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