Google Reader wird eingestellt

Es gibt so Tage, da sollte man erst gar nicht an den Rechner gehen. Noch bevor ich meine tägliche Tour durch die aktuellen News beginnen kann, begrüßt mich der Google Reader mit der Meldung, dass dieser Dienst demnächst “aufgrund gesunkener Nutzerzahlen” eingestellt wird.

Na Klasse. Seit Jahren nutze ich diesen Dienst nun schon, um mir einen schnellen Überblick über meine favorisierten Nachrichtenquellen (Heise, Spiegel, EFB, Xing und diverse andere) zu verschaffen. Dank Addons in Firefox wie Adblock, Noscript und GoogleReader Plus klappt das schnell, nahezu werbefrei und ohne viel Herumgeklicke. Insbesondere die Möglichkeit, die Artikel inline im Volltext zu sehen, anstatt nur den Anrisstext, wie ihn beispielsweise Heise und Spiegel Online zur Verfügung stellen, vereinfachte die Nutzung für mich enorm. Keine Notwendigkeit, neue Tabs zu öffnen oder ständig den Backbutton zu benutzen, alles schön auf einer Seite.

Dazu noch die diversen Clients für die mobilen Plattformen. Reeder auf IOS, gReader auf Android, beide erlauben eine ähnliche Bedienung, das Lesen der Artikel im Volltext, ohne die App zu verlassen. Auf Wunsch werden die Artikel auch noch auf den reinen Text reduziert, was mobil Bandbreite spart und die Konzentration auf den Inhalt erlaubt. Zusätzlich gibt es noch bei Android ein Widget, dass die neuesten Schlagzeilen zentral anzeigt. Nicht zu vergessen die Synchronisierung, was auf dem einen Gerät gelesen wurde, taucht auf den anderen nicht mehr auf, was einmal getaggt wurde, ist überall verfügbar.

Über die Jahre habe ich mir diverse Alternativen angesehen, gefunden habe ich bislang keine. Heute habe ich sogar Geld ausgegeben und mir Fever installiert. Sieht halbwegs brauchbar aus, schlank, schnell, aber inline View? Fehlanzeige. Brauchbare Clients auf Mobilgeräten? Nicht vorhanden. Meltdown ist auf Android nicht so dolle, der Volltext wird in einem seperaten Browserfenster angezeigt. Ausserdem ist da nichts mit einfachem Wischen, um durch die Artikelliste zu navigieren, da müssen Schaltflächen getroffen werden. Widget gibt es auch keines. Aber schnell ist er.

Ist Feedly eine Alternative? Nicht für mich, denn trotz der umfangreichen Konfigurationsmöglichkeiten und der durchaus gelunegen Oberfläche fehlt mir auch hier ein funktionierender inline View. Die Apps sehen zwar klasse aus und sind auch auf den Mobilgeräten sehr gut angepasst, aber trotzdem muss ich, wenn ich mehr als den Anrisstext lesen will, in den Browser wechseln.

Vielleicht werden ja noch ein paar der diversen Apps für Mobilgeräte angepasst, dass sie zusammen mit Feedly oder Fever benutzt werden können. Reeder für IOS soll ja immerhin schon mit Feedly zusammenarbeiten. Vielleicht muss ich mich ja doch nicht völlig umgewöhnen. Ja, ich hänge an RSS, meine News aus “sozialen Netzwerken” über andere Aggregatoren zu beziehen, funktioniert nicht für mich. Ganz davon abgesehen, dass ich mich dann in die nächste Abhängigkeit von einem Anbieter begebe.

Aber was kommt als nächstes? Was stellt Google nächstes Jahr ein? Google Mail? Android? Chrome? Das bislang verfügbare, stabile und bewährte Active Sync wurde ja schon abgeschaltet. Adblocker wurden heute aus dem Playstore verbannt. Warum? Weil Google es kann. Technisch gibt es keinen Grund dafür. Andere Konzerne sind da sicherlich auch nicht besser, Microsoft und Apple sind auch nicht gerade leuchtende Vorbilder für die langandauernde Verfügbarkeit von (kostenlosen) Diensten oder die Offenheit ihrer Plattformen.

Wirklich bedenklich sind solche Entwicklungen dann, wenn man sich den Trend zum Cloud Computing ansieht. Die Google eigenen Android Geräte aus der Nexus Serie haben vergleichsweise wenig Speicher,der auch nicht mit SD Karten erweitert werden kann. Warum auch, Google möchte ja, dass alle Daten in der Cloud, vorzugsweise auf Googles Servern, abgelegt werden. Genau dafür ist ja auch das Chromebook entwickelt und designt. Microsoft macht ähnliches mit seinen Surface Tablets und Apple lässt sich schon immer jedes Kilobyte an Speicher fürstlich entlohnen.

Warum sollte man seine Daten auch nicht in der Cloud ablegen? Kostet ja (derzeit) fast nichts. Musik und Bücher schön bei Amazon oder Apple lagern, seine gesamte Korrspondenz, seine Kalender und Emails bei Google Docs und Gmail oder Outlook.com, seien Leben bei Facebook dokumentieren. But there is no such thing as free lunch. Was passiert, wenn die Dienste dann doch abgeschaltet werden, weil sie nicht mehr rentabel sind. Oder plötzlich echtes Geld kosten, weil man sich alleine mit Werbung eben doch nicht auf Dauer dumm und dämlich verdienen kann? Wenn ich alles in der Clound habe und mangels Hardware gar nicht mehr die Möglichkeit habe, meine Daten, meine Musik, meine Ebooks lokal zu sichern/zu nutzen? Was?

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