TuneUp: Wundermittel oder Placebo?

Im Rahmen von Performancetests stößt man immer wieder auf das Tool TuneUp, das von vielen als wahres Wundermittel gepriesen wird. Ein damit „behandeltes“ System soll deutlich schneller und stabiler sein und auch länger bleiben. Der Hersteller selber schreibt auf der Produktseite: „Mit TuneUp Utilities 2006 machen sie ihr Windows in wenigen Minuten schneller, komfortabler und sicherer“. Was ist dran an diesen Behauptungen?

Um das zu testen, muss das aus dem Test der Performancebremsen her bekannte System wieder einmal dran glauben, auf dem sich die aktuelle TuneUp 2006 Testversion beweisen darf.

Die Installation verläuft unauffällig, ein anschließender Reboot dauert nicht länger als normal. Ein zusätzlicher Dienst namens „TuneUp WinStyler Theme Service“ wurde installiert, der aber per Default nicht gestartet wird.

Was bietet das Programm?

Viele Funktionen, mit denen sich das Aussehen oder Verhalten von XP beeinflussen lässt, die aber nicht relevant für diesen Test sind. Vieles davon lässt sich übrigens mit dem kostenlosen TweakUi von Microsoft ebenso gut, wenn auch nicht so schön bunt, erledigen. Interessant sind folgende Funktionen: DiskCleaner, RegistryCleaner, MemOptimizer, Registry Defrag und der System Optimizer. Das meiste davon ist in die neue Funktion der „1-Klick-Wartung“ integriert, womit sich das System angeblich mit nbur einem Klick auf optimale Performance und Stabilität trimmen lässt. Das macht neugierig, also wird es gleich einmal ausprobiert.

Die 1-Klick Wartung

Dabei werden folgende Funktionen aufgerufen:

  1. Registrierungsprüfung, wobei nach ungültigen Verweisen in der Registry gesucht wird
  2. Anwendungsprüfung, die nach fehlenden Dateien sucht, die von Anwendungen benötigt werden
  3. Prüfung der Registry auf Integrität und strukturelle Fehler und schließlich
  4. Suche nach temporären Dateien, die dann auch gleich zur Löschung angeboten werden.

Das Ergebnis verblüfft, wenn man bedenkt, dass es sich um ein frisch installiertes System handelt, bei dem als einzige Zusatzsoftware eine vollständige Installation von Office XP vorhanden ist. Die „1-Klick-Wartung“ findet nämlich 48 angebliche Probleme in der Registry, 141 bei der Anwendungsprüfung und 11 MB an temporären Dateien. Da werden fehlenden CLSIDs und Symbole bemängelt, Typbibliotheken und InProc Server vermisst oder leere Unterschlüssel zum Löschen empfohlen. Immerhin ist die Registry integer und weist keine strukturellen Fehler auf, was dann doch wieder beruhigt.

Problembehebung?

Die „Problembehebung“ besteht darin, die gefundenen Schlüssel zu löschen. Sinn macht das zwar keinen, aber vielleicht freut man sich über das gute Gefühl, wieder ein „sauberes“ System zu besitzen. Das gute Gefühl verliert sich aber recht schnell, wenn man sich bewusst macht, dass man keine Vorteile durch das Löschen der Schlüssel hat, aber dafür später Nachteile, die man mit dieser Aktion nicht mehr ursächlich in Zusammenhang bringt. Immer dann, wenn man mit Fehlermeldungen konfrontiert wird, die dadurch einstehen, dass Programme die von ihnen angelegten Registrykeys und Verweise nicht mehr finden, was zu den merkwürdigsten Problemen führen kann. Auch die Programmierer von TuneUp wissen nicht mit Sicherheit, welche Programme und Funktionen welche Registryeinträge benötigen.

Registrycleaning: Sinnvoll oder gefährlich?

Dass es fatale Folgen haben kann , einfach Keys zu löschen, die scheinbar keine Funktion haben, kann der Entwickler des EasyCleaners bestätigen, dessen Programm zuverlässig die Hilfefunktion von XP unbrauchbar machte. Er hat daraus gelernt, wie die Einführung einer Blacklist Funktion zeigt, welche die von dem Programm zu ignorierenden, scheinbar ungültigen Keys enthält, deren Löschung jedoch unweigerlich dazu führt, dass diverse Programme nicht mehr funktionieren.

Ob man den Programmieren von TuneUp soweit vertrauen will, sollte man sich also besser gut überlegen. Und dabei auch in Betracht ziehen, dass es keinerlei Vorteile mit sich bringt, die Registry in dieser Form aufzuräumen. Eine „schlanke“ Registry bedeutet keinesfalls eine Geschwindigkeitsgewinn oder erhöhte Stabilität. Das ist ein Irrglaube, der aus der überholten Auffassung resultiert, dass die Registry wie die früher verwendeten .ini Dateien sequentiell abgearbeitet wird. Die Registry ist eine Datenbank. Programme fragen ihre Keys/Einstellungen daraus dann ab, wenn sie sie brauchen und an den stellen, wo sie sie eingetragen haben. Verwaiste Einträge, die z. B. bei deiner Deinstallation nicht gelöscht wurden, werden nicht abgefragt und haben mithin auch keine Einfluss. Auch ist es nahezu irrelevant, wie groß die Registrydateien sind, da sie nicht am Stück im Arbeitsspeicher vorliegen, sondern je nach Bedarf geladen werden.

Man mag einwenden, dass TuneUp eine Undo Funktion bietet, mit der all diese Änderungen wieder Rückgängig gemacht werden können. Das hilft aber auch nur dann, wenn man die Probleme ursächlich und zeitnah mit der Bereinigung in Zusammenhang bringt, was eher die Ausnahme sein dürfte. Kaum jemand wird bei einer nicht mehr funktionierenden Hilfe an die vor 2 Monaten durchgeführte Registrybereinigung denken.

Amüsant finde ich übrigens, dass nach der „erfolgreichen“ Anwendung der Wartungsfunktion ein erneuter Aufruf gleich wieder 5 fehlende Dateien in der Anwendungsprüfung bemängelt. Muss ich eigentlich noch erwähnen, dass der Rechner nach dem ausführen der Wartung nicht schneller bootet?

Was gibt es sonst noch?

Auf die Funktion des Registrycleaners noch einmal gesondert einzugehen ist jetzt wohl unnötig, er bietet keine Funktionen, die über die 1-Klick-Wartung hinausgehen.

Als nächstes ein Blick auf die Funktion MemOptimizer. Da ist jedes Wort eigentlich eines zu viel, denn dazu verweise ich einfach auf die Tuning Mythen, Punkt 11. Kurz: Eine völlig sinnlose und überflüssige Funktion.

Registry Defrag: Kann nichts, was über die Funktionen des kostenlos erhältlichen ERUNT und NTRegOpt hinausgeht. Im Hinblick auf die Performance irrelevant, denn die Verwaltung der Zugriffe auf die Registry hat sich seit NT4 deutlich geändert und die Anwendung zeigte auch keine messbaren Vorteile.

Beim System Optimizer erhält man dann so sinnvolle Hinweise wie den Folgenden: „Die bei ihnen eingestellte Auflösung beträgt derzeit 1280 * 1024. Eine geringere Auflösung kann den Bildaufbau beschleunigen und die Systemleistung verbessern“. Und meine Augen ruinieren, denn mein 17“ TFT Monitor wird mir das Drehen an der Auflösung mit einem herrlich matschigen und verwaschenen Bild danken. Der Rest der Optimierungsvorschläge bewegt sich etwa auf dem gleichen Niveau; es werden Einstellungen wie „Kernelauslagerung deaktivieren“ oder „QoS Service anpassen“ vorgeschlagen, die sich bereits in den Tuningmythen als sinnlos bis kontraproduktiv herausgestellt haben.

Fazit

Wer TuneUp erwirbt, um damit sein System zu optimieren/beschleunigen, wirft sein Geld zum Fenster hinaus. Die sonstigen Funktionen zur Anpassung der Benutzeroberfläche mögen brauchbar sein, das ist jedoch nicht Gegenstand dieses Tests. Sicherheitsrelevante Funktionen konnte ich übrigens keine entdecken es sei denn, man rechnet den „Shredder“ dazu, der Daten ähnlich dem Heidi Eraser sicher löschen kann.