Tuning- und Tweaking-Mythen Teil III: Festplatten Tuning

Teil 3: Festplatten Tuning

12. Festplattenzugriff beschleunigen durch „Laufwerk für schnelle Dateisuche indizieren“
Zu diesem Tipp kursieren zwei verschiedene Aussagen im Netz. Entweder sollen Dateizugriffe dadurch schneller werden oder man soll es deaktivieren, um zu einem schnelleren System zu kommen. Was davon ist richtig? Keine von beiden. Windows 2000 und XP bringen einen Indexdienst mit, der eine schnellere Dateisuche erlaubt. Voraussetzung dafür ist, dass von den Daten ein Index erstellt werden kann. Und genau dafür ist die obige Funktion da. Ist selbiges aktiviert, wird der gesamte Datenträger in die Indizierung mit eingeschlossen. Die Erstellung des Index kostet allerdings Zeit und Plattenplatz. Deswegen wird dieser Prozess per Default nur in Leerlaufphasen des Rechners gestartet.

Korrekt wäre also folgende Aussage: Diese Einstellung kann Sinn machen, wenn man Wert auf eine schnellere Dateisuche legt und den dafür aufgewendeten Plattenplatz in Kauf nimmt und sich außerdem nicht an dem Geratter der Festplatte bei Nichtbenutzung des Rechners stört. Mir sind jedenfalls alternative Suchtools wie Agent Ransack lieber.

13. Festplatten Transferleistungs-Indikator abstellen
Durch die Eingabe von „diskperf -n“ auf der Kommandozeile wird die Sammlung von Perfomancedaten für die Festplatten deaktiviert. Diese Daten lassen sich mit dem wenige bekannten Bordwerkzeug Perfmon auswerten und geben im Problemfall Auskunft über Auslastung und Engpässe in einem System.Deaktiviert man nun diesen Counter, stehen für die Festplatten logischerweise keine Daten mehr zur Verfügung. Ohne dafür mehr Geschwindigkeit zu gewinnen. Die Stoppuhr war hier nutzlos, deswegen benutze ich für den Test das Tool Hd Tach in der Version 3.0.1.0. Egal, welche Tests ich durchführte, die Werte unterschieden sich nicht einmal in den Nachkommastellen.

14. NTFS Zeitstempel abstellen
Mit dem Key „HKLM\SYSTEM\CurrentControlSet\Control\FileSystem\NtfsDisableLastAccessUpdate lässt sich beeinflussen, ob der letzte Zugriff auf ein Verzeichnis aufgezeichnet wird oder nicht. Es kann Sinn machen, dies zu deaktivieren, wenn man auf NTFS Datenträgern sehr viele Verzeichnisse hat. MS spricht in der Dokumentation von 70.000 und aufwärts. Im Normalfall bringt der Key allerdings nichts, außer das man nicht mehr erfährt, wann das letzte Mal auf ein Verzeichnis zugegriffen wurde.

15. Kurze Dateinamen deaktivieren
Beim Speichern von Dateien auf NTFS formatierten Datenträgern wird automatisch auch noch ein zu den alten 8.3 Dateinamenskonventionen kompatibler Name gespeichert. Per HKLM\SYSTEM\CurrentControlSet\Control\FileSystem\NtfsDisable8dot3NameCreation kann man das abschalten. Messbare Vorteile konnte ich nicht feststellen, allerdings beschwert sich manch ältere Software über fehlende 8.3 Dateinamen. Da die Performance sich nicht messbar verbessert, sehe ich keinen Sinn darin, diesen Key zu setzen.

16. MFT-Reservierung vergrössern
Die Master File Table (MFT) ist das NTFS Äquivalent zur FAT bei älteren Dateisystemen. Sie enthält Informationen zu allen Dateien auf einem NTFS Datenträger, wo sie liegen, welche Attribute sie haben, Zeitstempel und vieles andere mehr. Damit die MFT nicht fragmentiert, was Performanceverluste zur Folge haben kann, reserviert das Dateisystem standardmäßig 12,5% eines Volumes für die MFT. In ausnahmenfällen, wenn sehr viele Dateien auf dem Datenträger gespeichert werden sollen, kann es sinnvoll sein, diesen Wert auf 25% oder 37,5% zu erhöhen. Dafür muss per Regedit der Key HKLM\SYSTEM \CurrentControlSet \Control \FileSystem\NtfsMftZoneReservation auf einen Wert von 2 oder 3 gesetzt werden. Eine unmittelbare Performanceverbesserung ergibt sich daraus nicht, die Einstellung kann aber in manchen Fällen Performanceverlusten vorbeugen. Ich empfehle jedoch nicht, sie generell mal eben so präventiv zu setzen, da der Default für die allermeisten Benutzer mehr als auseichend dimensioniert ist.

Amüsanterweise empfiehlt MS selber die letzten drei Einstellungen zur Performanceverbesserung auf NTFS Dateisystemen.Examining and Tuning Disk Performance. Trotzdem sollte man jetzt nicht unbedingt nach dem Motto: „Wenn es schon nicht hilft, schadet es wenigstens nichts“ die Einstellungen machen, denn wirklich spürbare Performancegewinne sind auf einem Arbeitsplatz-PC davon nicht zu erwarten