Seit einiger Zeit bin ich durchaus zufriedener Besitzer eines Sony PRS-505 eBook-Readers. Ein wirklich praktisches Gerät, das ein echtes Buch zwar nicht ersetzen kann, aber sehr gut geeignet ist, um auf Reisen oder auch nur auf dem Arbeitsweg in der U-Bahn die notwendige Ration Lesestoff mitzuführen, ohne sich mit kiloschweren Wälzern zu belasten. Das Display ist gut, ich kann darauf sehr gut und schnell lesen, der Akku reicht ohne Nachladen für die Anzeige von gut 7.000 "Umblättervorgänge", das sollte für den Herrn der Ringe plus den gesamten Harry Potter Zyklus (oder bei welchen dicken Schwarten auch die jeweiligen Präferenzen auch liegen) ausreichen. Es liegt gut in der Hand, die Bedienung ist simpel und bequem, es ist schlicht und einfach ein Gerät, mit dem man angenehm lange Texte lesen kann. Nicht mehr und nicht weniger. Das haptische Erlebnis eines Buches wird dabei sicherlich nicht erreicht, auch kann man nicht darin Herumkritzeln und als Klopapierersatz ist das Gerät auch nur sehr bedingt geeignet; aber das muss ja auch nicht unbedingt sein. Trotzdem kann ich derzeit kaum jemandem raten, solch ein Gerät zu kaufen. Denn da ist ja noch die nicht ganz unbedeutende Frage, was man denn mit dem Gerät anfangen will. Bücher lesen, schließlich ist es ja ausdrücklich ein eBook-Lesegerät. Nur woher nimmt man die Bücher? Das Angebot an deutschsprachigen eBooks mager zu nennen wäre übertrieben, der Markt scheint da eher an Magersucht zu leiden. Sicherlich, es gibt Libri oder Bol, die auf den ersten Blick über ein Sortiment von mehreren tausend Büchern verfügen. Sucht man jedoch etwas gezielter nur nach deutschsprachigen Artikeln, wird die Trefferliste schon deutlich kleiner. Wenn man gar weiß, was man haben will, wird ein Lottogewinn wahrscheinlicher, als das Gesuchte zu finden. Zumindest im Bereich Belletristik, wer sich auf Sachbücher beschränkt, scheint eher bedient zu werden. Das mag natürlich meinem Lesegeschmack geschuldet sein, die Titel aus der aktuellen Spiegel Bestsellerliste sollten sich durchaus finden lassen. Sollten, lassen sich aber nicht, wie ein kurzer Test bei Libri mit "Eckart von Hirschhausen- Die Leber wächst mit ihren Aufgaben" zeigt. Da findet sich nämlich genau - nichts. Sollte man jetzt zufällig beim "Stöbern" ein Buch finden, dessen Titel und eventuell der Klappentext einen ansprechen, fangen jedoch die Probleme erst richtig an. Im Buchladen kann ich ohne weiteres das Buch aufschlagen und kurz einige Seiten querlesen. Beim eBook klappt das nicht, hier gilt wohl von Verlagsseite: Bloß keine Leseprobe ermöglichen. Ich kann ein gedrucktes Buch kaufen und später weiterverkaufen. Ich kann es beliebig lange aufbewahren, verleihen, verschenken, kann Seiten daraus kopieren, es verlieren, nach 10 Jahren wieder finden und es noch einmal wie ein neues Buch lesen. All das geht mit einem gekauften eBook - dank DRM - nicht. Ich kann meine eBooks zwar sichern, ob aber in 10 Jahren das Lesegerät noch funktioniert, darf bezweifelt werden. Ob dann die Aktivierungsserver von Adobe noch in Betrieb sind, erscheint ebenfalls fraglich. Dann ist die digitale Bibliothek nur noch ein Haufen Bitschrott. Ausdrucken der Bücher ist auch nicht möglich, ganz davon abgesehen, dass die Papier- und Tonerkosten das kaum wirtschaftlich machbar erscheinen lassen. Das wäre eventuell noch zu verschmerzen, wären denn die eBooks deutlich billiger als die gedruckten Ausgaben. Schließlich entfallen große Lager, aufwändiger Transport, Papier- und Druckkosten sowie Läden und das dortige Personal bei eBooks völlig. Doch Pustekuchen, das eBook kostet oft genau so viel wie das "richtige" Buch. Durchschnittlich soll man allerdings laut der FAQ von Libri etwa 20 % gegenüber der Printausgabe sparen können. Angesichts der Nachteile und der Kosten für das Lesegerät sehe ich allerdings nicht, wie sich das rechnen soll. Schließlich kann ich das gedruckte Buch im Gegensatz zum eBook nach dem Lesen problemlos weiterverkaufen und bekomme so zumindest einen Teil des Kaufpreises wieder. Auch kann ich ohne weiteres viele vom Verlag nicht mehr lieferbare Bücher auf dem Second-Hand-Markt erstehen, ein Markt, der sich für eBooks erst gar nicht entwickeln kann. Ein Titel, der von Verlag abgekündigt wird, ist dann einfach weg. Denkbar wäre dann sogar, dass mir die Lizenz für das Buch nachträglich entzogen wird, denn ich habe ja nicht das Buch gekauft, sondern nur ein Nutzungsrecht… Was spricht angesichts dessen für das eBook? Und warum sollte man sich ein Lesegerät anschaffen? Eventuell, weil man sich den Weg in die ortsansässige öffentliche Bibliothek damit sparen könnte. Immer mehr Bibliotheken bieten inzwischen die Ausleihe von eBooks aus. Die Frankfurter Stadtbibliothek hat derzeit einen Bestand von etwa 3.300 Titeln, davon sind allerdings 2.800 aus dem Bereich Sachmedien und Fachbücher. Das wäre doch toll, alle Bücher jederzeit verfügbar, keine Ausleihfristen mehr beachten, denn nach Ablauf der Ausleihfrist kann das Buch einfach nicht mehr gelesen werden. Schade nur, dass so einfach nun eben doch nicht geht. Denn die eBooks sind keineswegs in unbeschränkter Anzahl verfügbar, ist ein Titel gerade von einem anderen Leser "ausgeliehen", dann steht er für diesen Zeitraum anderen einfach nicht zur Verfügung, sondern kann nur reserviert werden. Ganz wie ein richtiges Buch halt. Verlängern der Ausleihe ist auch nicht möglich, wenn man für ein Buch denn doch mal länger als die erlaubten sieben Tage brauchen sollte. Pech, wenn man 40 Seiten vor Schluss das eBook "zurückgeben" muss und die Reservierungsliste erst einmal abgearbeitet wird. Wen interessiert schon das Ende eines Buches, dann muss man halt schneller lesen. Aber halt, es gibt doch noch DRM freie eBooks. Bei Google Books beispielsweise. Oder im Gutenberg Projekt. Das funktioniert wunderbar, wenn man sich mit den "Klassikern" beschäftigen will, Bücher jünger als 70 Jahre wird man auf diesem Weg jedoch kaum bekommen. Aber immerhin, damit kann man seinen Lesehunger ja auch stillen. Obwohl, Fraktur lesen macht auf dem Reader nicht wirklich Spaß. Auch die Aufbereitung lässt auch oft sehr zu wünschen übrig, Zeilen- und Seitenumbüche sind da oft katastrophal verunstaltet. Wer seinen Reader wirklich nutzen will, muss sich auf absehbare Zeit mit den Klassikern der Literatur begnügen oder weicht auf illegale Quellen aus. Dort allerdings findet er dann viele bereits vergriffene Werke in sehr guter Aufbereitung, das Angebot auch aktueller Literatur wächst ständig und man ist unabhängig von den Servern eines bestimmten Herstellers. Dafür ist man dann aber ein Raubkopierer mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen. Das ärgert mich einfach kolossal. Ich habe über 800 "echte" Bücher in meinen Regalen zu Hause, sie alle habe ich mindestens einmal gelesen und ich würde kaum eines davon freiwillig wieder hergeben. Auf den eBook-Reader passen weit mehr, aber ich werde ihn niemals wirklich ausnutzen können dank einer Marktpolitik, die noch lange nicht im 21. Jahrhundert angekommen ist. Dabei wäre das Gerät so praktisch, gäbe es eine große Online-Bibliothek, aus der ich jederzeit jeden gewünschten Titel für kleines Geld mieten könnte, ohne Wartezeiten, ohne Reservierungslisten. Will ich tatsächlich ein Buch behalten, kann ich es, eventuell gegen Anrechnung des Mietpreises, unverkrüppelt kaufen oder als gedrucktes Werk beziehen. Schön wär's…
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das braucht noch ein bisschen...
im Prinzip stimmer ich dir zu. Der Markt für ebook reader ist tatsächlich noch sehr jung und das Angebot an ebooks in Deutschland sehr dürftig. Wirklich interessant wird es aber, wenn ebook reader interfähig werden und komfortable Editiermöglichkeiten bieten, so dass man sie auch als Arbeitsgeräte benutzen kann. Bis jetzt kann das meines Wissens nur der iLiad ich bin aber auch mal auf den TXTR gespannt, der demnächst in Deutschland erscheinen soll.
Der Mensch
...oder zumindest manche davon lernen halt immer gerne mit Schmerzen aka Konsumentenstreik. Die vielen schönen Umsätze..., es wäre fast schon zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Meine Erfahrung mit E-Book Readern tendiert gegen Null - und das wird in der nächsten Zeit auch dank Deines gut geschriebenen Artikels so bleben.
Allerdings kaufe ich gerne E-Books für Fachbücher, da ich die ganzen Schinken zum Nachschlagen ungerne mitschleppe und anstelle dessen das Notebook verwende. Dieses DRM-Zeug ist wirklich die Hölle! Ich fuhrwerke immer so lange rum, bis ich wenigstens eine XPS-Kopie habe. Wenn das nicht mehr klappt würde ich den Distributor zur Not auch links liegen lassen.
Gruß,
Michael
DRM yuhu ...!
Innovation, durch schlechte Umsetzung, im Keim erstickt.
Aber warum denn aus der virtuellen Audio- und Videovermarktung lernen, das wäre viel zu einfach, oder etwa nicht?