Kevin

Als Kind ist man mit diesem Namen ja inzwischen durchaus gestraft. Offensichtlich war man in Bremen der Meinung, dass ein Zweijähriger damit noch nicht gestraft genug war und hat ihn mal eben bei seinem amtsbekannt drogensüchtig und gewälttätigen Vater sterben lassen.
Und wieder geht ein Aufschrei durch die Republik, eventuell tritt mal ein Politiker oder zwei zurück, es wird nach Verantwortlichen gesucht und Besserung versprochen. Und was hilft das alles Kevin? Nichts. Null. Nada. Er ist tot, bleibt tot und hat zwei Jahre lang ein ziemliches Scheissleben mit sehr wenigen Lichtblicken “geführt”. Drogensüchtig geboren, geschlagen bis hin zu Knochenbrüchen, die Mutter verloren. Ein Leben, wie man es nicht einmal seinen ärgsten Feinden wünscht, ein Leben, wie man es in dritte Welt Slums kaum schlechter führen kann.

Warum musst er so leben und sterben? Hat tatsächlich der Behördenapparat versagt? Ja, er hat. Und warum? War es nur Schlamperei eines Einzelnen? Nein. Nein, nein, nein und nochmals nein.
Mit Sicherheit hat eine Person versagt. Oder zwei. Oder auch drei. Aber warum? Wie kommt es, dass erst nach Monaten jemand aktiv wird? Das liegt nicht an der Faulheit eines Einzelnen, das liegt an einem grundlegenden Problem des “Sozialstaates”, wie wir ihn derzeit haben. Die Kassen sind leer, die Bürokratie überbordend, der Regulierungswahn allüberall, damit verbunden eine Vielzahl an neuen Aufgaben, die von immer weniger Personen erledigt werden müssen.
Vernetzung, kurze Kommunkationswege, schnelle Entscheidungen sollten im Zeitalter des Internets eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Das glaubt man solange, bis man es mit Behörden zu tun bekommt. Schreibmaschinen, dicke Aktenberge und unverständliche Formulare sind dort immer noch an der Tagesordnung. Dazu endlos verteilte Zuständigkeiten, Personalmangel und ein immer weiter steigender Druck, Kosten einzusparen und man hat alle Zutaten für ein perfektes Chaos. Ein Chaos, dem wieder einmal ein Kind zum Opfer fiel.
Wird sich jetzt etwas ändern? Nein. Mit Sicherheit nicht. Es ist wichtiger, Hartz IV Empfänger zu kontrollieren, es ist wichtiger, Aktenberge zu verschieben, es ist wichtiger, noch eine Richtlinie zu ersinnen , es ist wichtiger, Kosten zu senken durch Personalabbau oder immer mehr Arbeit auf die wenigen Köpfe zu verteilen.
Was riefen die Bürger Ostdeutschlands doch 89? “Wir sind das Volk”? Ja, wir sind das Volk, wir sind der Staat. Kevin war der Staat. Und was hat ihm das geholfen? Was hilft ihm jetzt noch Artikel 34 des Grundgesetzes?