11. September

Fünf Jahre ist das her. Fünf Jahre, die die Welt veränderten. Nicht zum besseren. Für niemanden. Ausser vieleicht für die Rüstungsindustrie, die sich seitdem eigentlich jedes Jahr über Rekordumsätze freuen dürfte.

Sicherlich hat jeder andere Erinnerungen an diesen Tag vor fünf Jahren. Ich war damals wegen Krankheit einen Tag zu Hause, bin irgendwann aus dem Erholungsschlaf aufgewacht und wurde im Fernsehen mit dem Bild eines rauchenden Hochhauses konfrontiert. Eines Hauses, aus dem winzig kleine Punkte nach unten fielen. Live. Auf allen Kanälen. Und plötzlich waren da zwei brennende Türme. Und noch etwas später waren da gar keine Türme mehr. Als die ersten Bilder des zweiten Flugzeuges gezeigt wurde, wie es einschlug, da war das für mich entsetzung und Unglauben pur. Gänsehaut und Übelkeit.

Zuerst war die Rede von ~15.000 Toten, keiner wusste genau, was alles wo passiert, die Berichterstattung war wie die Lage vor Ort, größtenteils konfus, basierend auf Vermutungen und Annahmen.

Ja, ich hatte vage Angst, am nächsten Tag wieder zur Arbeit zu gehen. Mitten ins Frankfurter Bankenviertel, in ein kleines Hochhaus, umgeben von Deutschlands Finanztürmen.

Die nächsten Tage gab es in den deutschen Medien kein anderes Thema. Das gesamte Fernsehprogramm wurde geändert und immer wieder gab es die inzwischen sattsam bekannten Bilder zu sehen. Immer und immer wieder sprangen die verzweifelten Menschen, immer und immer wieder folgte ihnen die Kamera auf ihrem Weg nach unten. Immer wieder schlugen die Flugzeuge ein, immer wieder fielen die Türme einfach in sich zusammen. Und trotz des Grauens musste man immer wieder hinsehen, einfach weil es so unbegreiflich und unfassbar war.

Ja, jeden Tag sterben wohl mehr Menschen an Hunger, an Durst, an den so verharmlosend titulierten “bewaffneten Konflikten”, in offenen oder verdeckten Kriegen. Immer wieder werden von Menschen verursachte Katastrophen wie im Sudan Medienthema und sorgen für kurzzeitige Betroffenheit. Wären diese Bilder doch nur so traumatisierend wie die Bilder von WTC, würden Politiker das doch zm Anstoss für genau so blinden Aktionismus nehmen wie sie die Anschläge am 11. September waren, die Welt könnte ein besserer Ort sein.

Das Geld, das in den dilletantischen und unter an den Haaren herbeigezogenen Begründungen “Krieg gegen den Terror” gesteckt wurde, hätte so viel sinnvolles bewirkeln können, hätte so viel Leben retten können. Und damit auch dem Terror die Grundlagen entziehen können.

Ich weiss selber das das Küchentischpolitik ist und dass das Leben nicht so eindimensional ist. Aber man wird doch auch mal träumen dürfen.