Dass Adressen aller Art bares Geld sein wert können, ist ja nichts wirklich neues. Dass verifizierte und vor allen Dingen qualifizierte Adressdaten noch mehr wert sind, ist auch keine weltbewegende Neuigkeit. Tonerverkäufer zum Beispiel zahlen gerne mehr für eine Telefonnummer, wenn sie gleich die Information bekommen, welche Druckerhardware bei der "Zielperson" zum Einsatz kommt. Damit kann man doch gleich viel besser vorhergehende Kontakte vortäuschen. Die neueste Masche der Adresssammler, um möglichst billig an solch wertvollen Informationen zu kommen, besteht im Ausnutzen der Hilfsbereitschaft für Studenten. Seit einiger Zeit häufen sich die Anrufe von meist nur gebrochen Deutsch sprechenden, fast ausschließlich weiblichen "Studenten", die derzeit vorgeblich an ihrer Semester-/Examens- oder Diplomarbeit sitzen und "nur ein paar einfache Fragen zur in der Firma benutzen IT Umgebung" haben. Der Fragebogen ist laut Eigenauskunft in maximal 10 bis 15 Minuten durch. Die letzte Anruferin vom heutigen Tag schrieb angeblich an ihrer Diplomarbeit zum Thema Netzwerke. Wenn nicht inzwischen fast jede Woche eine solche "Studentin" anrufen würde, würde die Masche eventuell auch funktionieren. Spaßeshalber habe ich einer Anruferin mal mitgeteilt, dass ich gerade keine Zeit hätte, sie aber gerne später zurückrufen würde, um ihr vergebliche Anrufe und Geld zu ersparen. Auch fragte sich nach ihrer Uni und dem Professor Doktor Halberstein, der dort doziert. Die Telefonnummer bekam ich nicht, dafür aber eine Geschichte über den von mir gerade eben erfundenen Professor. Noch Fragen? Ich kann wirklich nur empfehlen, an telefonischen Umfragen grundsätzlich nicht teilzunehmen, wenn man sich später Massen von Werbepost/-mails und Telefonspam ersparen will. Wer jedoch unbedingt an Marktforschung teilnehmen will, sollte auf ein paar Sachen achten: Seriöse Institute geben eine Rückrufnummer an, haben ihre Telefonnummer meist nicht unterdrückt, bieten oft an, die Ergebnisse der Studie später zur Verfügung zu stellen oder zahlen bares Geld für die Mitwirkung. Und sie sagen klar, worum es geht, anstatt die Mitleidsmasche zu fahren, wie es diese äußerst unseriösen Adresshändler tun. Ausserdem geben sie bereitwillig Auskunft über eventuell gespeicherte Daten. Was man da alles abfragen und einfordern kann, zeigt exemplarisch der als T5F bekannte Text. Ach ja, heute Abend um 22:00 klingelte mein Privattelefon. Eine Nummer, die nur sehr wenige meiner Bekannten um diese Uhrzeit einfach mal so anrufen. Wer war dran: Infratralalairgendwas aus Abcdorfstadt. Liebes Mädel im Callcenter: Entschuldige. Tut mir leid, du kannst nicht wirklich etwas dafür, aber sei froh, dass ich nur bis zum Stadium des fassungslosen Gestammels kam. Du hast gerade noch rechtzeitig aufgelegt…
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