Nachdem die CHIP in Heft 08/2006 „überraschenderweise“ festgestellt hat, dass ein frisch installiertes XP ohne jede Anwendung am schnellsten hochfährt, wollte ich es mal genauer wissen: Welche Programme sind es denn, die den Rechnerstart so bremsen? Also habe ich mir mal eben eine Testumgebung aufgebaut und ein bisschen getestet. Aufbau der Testumgebung Wie schnell ist XP? Da diesen Anwendungen den meisten nicht ausreichen, wird jetzt als erstes mal eine Office Suite installiert. Weil es gerade verfügbar ist, nehme ich Office XP Professional. Komplettinstallation mit Excel, Word, Outlook, Powerpoint, Access und allen Tools. Zu meiner Überraschung ändert sich an den vorgenannten Zeiten nichts, obwohl Office ja auch einen Autostarteintrag sowie Dienste anlegt., über die einige nicht gerade kleine Komponenten vorgeladen werden. Bei der Gelegenheit wird noch getestet, wie lange das Öffnen einer 1 MB großen Excel- und einer 2 MB großen Word-Datei dauert, nämlich etwa 1 Sekunde. Damit wird dieses System ab sofort zur Referenz erklärt, alle weiteren Messungen benutzen diese Grundlage. Die jetzt getesteten Anwendungen werden alle mit den Standardeinstellungen installiert, es erfolgt keine weitere Konfiguration danach, sofern das Programm nicht ausdrücklich eine solche anfordert, um die die Funktionsfähigkeit herzustellen. Eine PF wird getestet Da für viele kein Rechner ohne installierte Personal Firewall sicher zu sein scheint, prüfe ich als erstes die Auswirkung von ZoneAlarm Free Edition 6.5.731 englisch. Die Installation und das Update laufen reibungslos durch, nur verlängert sich nun die Bootzeit auf über das Doppelte, nämlich 47 Sekunden. Auch das Herunterfahren verzögert sich um 3 auf nun 10 Sekunden. Office Dokumente werden in normaler Geschwindigkeit geöffnet, ein Durchsuchen der Netzwerkumgebung ist allerdings nicht mehr möglich. Zuerst dauert es sehr lange, bis wenigstens die Arbeitsgruppe angezeigt wird, die Anzeige der einzelnen Rechner bricht mit einer Fehlermeldung ab. Die gute Nachricht: Nach einer Deinstallation funktioniert alles wieder und die Zeiten sind im ursprünglichen Bereich. Firewall hat XP ja bereits dabei, ein Virenscanner ist ja (noch) Fehlanzeige, aber für die meisten Benutzer durchaus sinnvoll. Wie wirken sich Virenscanner aus? Als Erstes muss sich der früher als Antivir bekannte Avira in der für Privatleute kostenlosen Personal Edition stellen. Installation und Update laufen ohne Auffälligkeiten, die Bootzeit verlängert sich relativ unwesentlich auf 30 Sekunden, das Herunterfahren dauert jetzt allerdings unverhältnismäßige 20 Sekunden. Erfreulich ist, dass sich Office Dateien weiterhin ohne spürbare Verzögerungen öffnen. Ein Komplettscan auf Schadsoftware ist relativ flott in 5 Minuten erledigt. Wie schlägt sich AVG Antivirus Free im Vergleich? Nicht schlecht. Bootzeit 27 Sekunden, Herunterfahren erfreuliche 7 Sekunden. Dafür öffnen sich die Word- und Excel Datei durchschnittlich eine Sekunde langsamer und ein Komplettscan dauert 6 Minuten 16 Sekunden. Mit solchen spezialisierten Lösungen lässt es sich leben, die wirklich großen Bremsen sind sie ja scheinbar nicht. Aber da gibt es ja noch die Security Suiten namhafter Hersteller, die eierlegenden Wollmilchsäue im „Security“ Bereich, die mit Virenscanner, Personal Firewall und Spamschutz daherkommen. Security Suiten: So schlimm? Hier installiere ich zuerst Panda Platinum 2006 Internet Security 2006. Das Ergebnis ist erschreckend: Ein vollständiger Boot dauert jetzt drei mal so lange, nämlich 90 Sekunden, beim Herunterfahren lässt er sich schlappe 20 Sekunden Zeit. Office Dateien werden in 3 respektive 2 Sekunden geöffnet, ein vollständiger Scan auf Viren ist in 6 Minuten und 15 Sekunden durch. Die Anzeige der Netzwerkumgebung wird wie schon bei ZoneAlarm kommentarlos lahm gelegt, aber immerhin klappt das Update ohne Probleme. Der deutlich verlängerte Bootvorgang verkürzt sich auch nicht bei deaktiviertem Selbstschutz bei Windows Start, dafür wird man aber immerhin durch die Einblendung eines Pandakopfes in der rechten unteren Bildschirmecke während des Wartevorgangs unterhalten. Glücklicherweise versetzt die Deinstallation der Software das System wieder in den Normalzustand. Nachdem sich diese Suite als extreme Bremse erwies, erfolgt die Installation des Produktes des Marktführers, nämlich Symantecs Norton Internet Security 2006, nicht ohne Vorbehalte. Allerdings werde ich zunächst positiv überrascht. Die Bootzeit verdoppelt sich nur auf 45 Sekunden und ein Shutdown ist in 10 Sekunden erledigt. Mit der Überraschung ist es allerdings schnell vorbei, denn bei Office Dokumenten darf man Geduld mitbringen; die sind erst nach durchschnittlich 5 Sekunden nutzbar. Dazu passt, dass die Anzeige der Netzwerkumgebung wie bei allen getesteten Produkten mit Firewallfunktionalität nicht mehr funktioniert. Für eine kompletten Scan sollte man übrigens Geduld mitbringen, der ist erst nach neuneinhalb Minuten beendet. Wenig erfreulich waren auch die Probleme mit LiveUpdate, das erst nach mehreren Anläufen zu einem vollständigen Durchgang zu bewegen war. Wobei ich zugeben muss, dass die vom Programm verlinkte Problemlösung einer gewissen Komik nicht entbehrt: Fehler: "LU1856: LiveUpdate konnte nicht auf die Datei zugreifen, die es heruntergeladen hat". Zitat daraus: Abschnitt 1: Deaktivieren Sie Firewalls und Werbeblocker-Software <...>Anweisungen zum Deaktivieren von Norton Internet Security finden Sie im Dokument Aktivieren oder Deaktivieren von Norton Internet Security oder Norton Personal Firewall. Ja, es macht Sinn, die frisch installierte Firewall zu deaktivieren, um sie auf den neusten Stand zu bringen. Blaster und Co freuen sich, wenn noch nicht alle Patches installiert waren, bevor man diesem Rat folgte. Der Fairness halber sei aber angemerkt, dass nach zweimaligen Reboot LiveUpdate ohne weiteres Zutun alle Updates problemlos im Hintergrund installierte. Schneller wurde der Rechner dadurch allerdings nicht. Fazit An dieser Stelle soll auch erst einmal Schluss sein mit den Testen. Man mag angesichts der gemessenen Zeiten sagen, dass diese Verzögerungen für die meisten Anwender kaum eine Rolle spielen dürften. Natürlich ist es kaum wichtig, ob ein Rechner in 30 oder in 60 Sekunden bootet, wichtiger ist, ob es bei der Arbeit zu Verzögerungen kommt, wofür Symantecs NIS ein unrühmliches Beispiel bietet. Es ist sehr deutlich spürbar, wenn das Öffnen von Dateien bis zu fünfmal länger dauert. Zu bedenken ist auch, dass dieser Test nicht viel mit der Realität zu tun hat, wo mit Sicherheit mehr als ein Produkt installiert wird. Ein Blick auf die beim Kauf eines neuen Rechners vorinstallierten Softwarepakete dürfte eher dem entsprechen, was beim durchschnittlichen PC Käufer alles zu finden ist. Und da addieren sich solche Bremseffekte noch einmal, wenn sie sich nicht aufgrund von Inkompatibilitäten sogar potenzieren. Als vorläufiges Fazit dieses Kurztests lässt sich sagen, dass die Installation einer Security Suite sich wohl am deutlichsten negativ auf die Geschwindigkeit eines Rechners auswirkt. Das ist insbesondere deswegen erschreckend, weil man den selben Level an Sicherheit bei deutlich besserer Performance durch die Benutzung von spezialisierten Einzelprodukten erreicht. Setzt man die Firewall von XPÜ zusammen mit einem reinen Virenscanner ein, ist man ebenso geschützt, kann sich aber über mehr gefühlte und reale Geschwindigkeit der teuren Hardware freuen. Wenn noch jemand Vorschläge für andere Anwendungen hat, die auch mal getestet werden sollen, dann immer her damit an ms@derfisch.de. Meine Testumgebung bleibt noch eine Woche lang in Betrieb.
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Windows automatische Startoptimierung
Es heißt ja, dass Windows XP eine eigene und automatische Optimierung bezüglich Systemstarts (und Programmstarts?) ständig durchführt.
So soll ein System beim 2. oder 3. Start schneller booten.
Wie verhält es sich damit?
Wenn das stimmt: Wurde es hier berücksichtigt? So könnte es sein, dass das ganz frische System ohne MS Office beim 2. mal schneller gewesen wäre und somit die Verlangsamung durch MS Office kompensiert wurde.